1. Immer wieder werden wir (manchmal auch mit Vorwürfen) gefragt, warum wir für erwachsene, bereits kastrierte Katzen ein neues Zuhause suchen.
Die Antwort darauf ist einfach: Eine verantwortungsvolle Zucht bedeutet auch, die Anzahl der Tiere im Blick zu behalten und niemals in eine Haltung abzurutschen, bei der das Wohl der einzelnen Katze nicht mehr gewährleistet werden kann. Animal Hoarding darf niemals das Ergebnis einer falsch verstandenen Tierliebe sein.
Jeder von uns hat bereits Berichte gesehen oder davon gehört, wie aus einer ursprünglich gut gemeinten Zucht oder Tierhaltung im Laufe der Jahre eine Ansammlung von Dutzenden Tieren geworden ist. Tiere, die einst geliebt wurden, lebten plötzlich unter erbärmlichen Bedingungen – ohne ausreichende Pflege, ohne Rückzugsmöglichkeiten und oftmals ohne angemessene medizinische Versorgung. Niemand beginnt mit dieser Absicht. Aus „Nur diese eine Katze bleibt noch bei uns“ werden im Laufe der Jahre immer mehr Tiere. Irgendwann reichen die vorhandenen Ressourcen – Zeit, Energie, finanzielle Mittel und räumliche Möglichkeiten nicht mehr aus, um jedem einzelnen Tier gerecht zu werden.
Deshalb ziehen wir eine klare Grenze
Es gehört zu einer verantwortungsvollen und seriösen Zucht dazu, auch loslassen zu können.
Denn am Ende sollte immer eine Frage im Mittelpunkt stehen: Was ist das Beste für die einzelne Katze?
Jede Katze verdient Zeit, Aufmerksamkeit, ausreichend Platz und die Möglichkeit, so zu leben, wie es ihrem Wesen entspricht. Und genau dieses Wesen ist nicht in Stein gemeißelt.
Der Charakter einer Katze verändert sich im Laufe ihres Lebens. Aus einem verspielten Jungtier kann eine ruhige Genießerin werden. Eine Katze, die früher gerne mitten im Geschehen war, zieht sich vielleicht im Alter lieber zurück. Manche Katzen fühlen sich in einer Gruppe ein Leben lang wohl, andere stellen irgendwann fest: „Eigentlich hätte ich meine Menschen lieber ganz für mich allein.“
Auch die Dynamik innerhalb einer Katzengruppe ist keine Konstante. Beziehungen verändern sich, Sympathien entwickeln sich neu und manchmal passt es einfach nicht mehr. Das ist weder die Schuld der Katze noch die des Menschen – es ist einfach das Leben.
Manche unserer Katzen blühen in einer kleinen Gruppe auf, andere entwickeln sich zu glücklichen Einzelkatzen. Und genau diese Bedürfnisse nehmen wir ernst.
Dabei vergessen wir nie, dass Katzen ihre Lebenszeit anders erleben als wir. Drei Menschenjahre entsprechen ungefähr zehn Katzenjahren.
Oder anders gefragt: Wer möchte zehn Jahre in einer Beziehung verbringen, die mehr Stress als Freude bringt – auch wenn die Schwiegermutter die beste der Welt ist? ;)
Wahrscheinlich niemand.
Und genau deshalb erwarten wir das auch nicht von unseren Katzen.
Wenn wir uns dazu entscheiden, für eine unserer Heiligen Birmas eine neue Familie zu suchen, geschieht das niemals spontan, es ist immer eine Entscheidung im Sinne der Katze. Wir möchten, dass jede einzelne Soul of Diamonds Katze das Leben führen darf, das sie glücklich macht – mit ausreichend Aufmerksamkeit, Ruhe und ganz viel Liebe.
Verantwortung bedeutet für uns, die Bedürfnisse unserer Tiere über unsere eigenen Wünsche zu stellen. Manchmal gehört dazu auch, loszulassen und einem geliebten Familienmitglied die Chance auf einen Neuanfang zu schenken :)
2. „Warum züchten Sie Katzen, wenn es doch so viele herrenlose Katzen gibt?“
höre ich immer wieder – und sie ist völlig legitim.
Tierschutz bedeutet für mich jedoch nicht nur, Tieren zu helfen, wenn sie bereits in Not geraten sind. Echter Tierschutz beginnt viel früher: Er bedeutet, alles dafür zu tun, dass Tiere gar nicht erst in eine Notlage kommen.
Genau hier setzt eine seriöse und verantwortungsvolle Zucht an. Sie ist für mich gelebter Tierschutz – vom ersten Atemzug eines neugeborenen Kätzchens an. Die Elterntiere werden gesundheitlich untersucht, Verpaarungen werden sorgfältig geplant und die Kitten wachsen liebevoll und artgerecht auf. Sie erhalten eine optimale medizinische Versorgung, werden sozialisiert und nur an ausgewählte Familien abgegeben. Viele seriöse Züchter begleiten ihre Tiere ein Leben lang und stehen den Besitzern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Sollte ein Tier sein Zuhause verlieren, wird es häufig wieder aufgenommen.
Das Problem der herrenlosen Katzen entsteht nicht durch verantwortungsvolle Zucht. Es entsteht durch unkontrollierte Vermehrung, fehlende Kastration und Menschen, die Tiere anschaffen, ohne die Verantwortung für ein ganzes Katzenleben zu übernehmen.
Hinzu kommt, dass nicht jeder Mensch in der Lage oder bereit ist, einem Tier mit unbekannter Herkunft und möglicherweise belastenden Erfahrungen gerecht zu werden. Katzen aus dem Tierschutz können wunderbare Begleiter sein, bringen aber manchmal besondere Bedürfnisse mit sich, die Zeit, Erfahrung und Geduld erfordern. Sich dies ehrlich einzugestehen, ist kein Zeichen von Ablehnung, sondern von Verantwortungsbewusstsein.
Ebenso darf man nicht vergessen, dass nicht jede Katze ein Leben im engen Kontakt mit Menschen als Bereicherung empfindet. Insbesondere Tiere, die über Jahre ohne menschlichen Kontakt auf der Straße gelebt haben, sehen ihre „Rettung“ nicht zwangsläufig in einem kuscheligen Zuhause. Was wir Menschen als Sicherheit und Geborgenheit empfinden, kann für solche Tiere Stress, Angst und den Verlust ihrer gewohnten Freiheit bedeuten. Nicht jede Katze möchte auf dem Sofa liegen und gestreichelt werden – und auch das verdient Respekt.
Tierschutz bedeutet daher auch, die Bedürfnisse des einzelnen Tieres zu erkennen und anzuerkennen.
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion häufig vergessen wird: Je nach europäischem Land machen Rassetiere lediglich etwa 1–1,5 % aller gehaltenen Haustiere aus.
Spätestens an dieser Stelle sollte deutlich werden, dass diese kleine Gruppe nicht die Ursache für das große Problem der herrenlosen Tiere sein kann. Das eigentliche Problem ist die unkontrollierte Vermehrung von Tieren durch Menschen ohne ausreichendes Fachwissen, ohne gesundheitliche Vorsorge und oftmals ohne die notwendigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen.
Tierschutz und seriöse Zucht schließen sich deshalb nicht aus – im Gegenteil: Sie ergänzen sich. Während Tierheime und Tierschutzvereine unverzichtbare Arbeit leisten, indem sie Tieren in Not helfen, sorgt eine verantwortungsvolle Zucht dafür, dass Tiere gar nicht erst unter schlechten Bedingungen geboren werden.
Mein Wunsch ist derselbe wie der vieler Tierschützer: weniger Leid, weniger ausgesetzte Tiere und mehr Verantwortung im Umgang mit ihnen. Bis dahin braucht es beides – Menschen, die Tieren in Not helfen, und Menschen, die vom ersten Lebenstag an Verantwortung übernehmen.
Denn Tierschutz beginnt nicht erst am Tierheimportal. Er beginnt bereits in der Wurfkiste und in eigenem Zuhause.
In meiner Welt treffen sich Mensch und Tier auf Augenhöhe.
3. ‚Macht es Ihnen nichts aus, wenn die Katzenbabys ausziehen? Ich könnte das nicht.‘
Die ehrliche Antwort ist: Doch, natürlich fällt mir der Abschied nicht immer leicht. Jedes einzelne Katzenbaby, das bei mir geboren wird, ist von der ersten Sekunde an etwas ganz Besonderes.
Ich bin bei jeder Geburt dabei. Wenn der Geburtstermin meiner Kätzinnen näher rückt, schlafe ich auf dem Boden neben ihnen, damit sie in diesem wichtigen Moment nicht allein sind. Manche meiner Zuchtkatzen fordern meine Anwesenheit in dieser besonderen Zeit sogar ganz bewusst ein – sie suchen meine Nähe, meine Ruhe und meine Unterstützung, weil sie mir vertrauen. Für mich ist es selbstverständlich, ihnen diese Sicherheit zu geben und sie während der Geburt nicht allein zu lassen.
Ich begleite sie durch die Geburt, bin bei jedem einzelnen Kitten dabei und erlebe den ersten Atemzug jedes bei mir geborenen Kätzchens.
Jedes kleine Leben habe ich selbst in den Händen gehalten, jedes einzelne Kätzchen wurde von mir trockengerubbelt und liebevoll versorgt. Ich sehe ihre ersten Bewegungen, ihre ersten Schritte, wie sie ihre Umgebung entdecken und wie sich aus winzigen Fellknäueln einzigartige Persönlichkeiten entwickeln.
Genau deshalb wachsen sie mir so sehr ans Herz. Eine verantwortungsvolle Katzenzucht bedeutet nicht nur, Katzenbabys aufzuziehen – es bedeutet, ihnen von der ersten Minute an Sicherheit, Liebe und die bestmögliche Grundlage für ihr späteres Leben zu geben.
… aber wenn ich sehe, wie sehr die neuen Familien sich auf ihr neues Familienmitglied freuen, weiß ich, dass meine kleinen Fellnasen genau dort hingehören.
Natürlich bleibt jedes Katzenbaby für immer ein Stück in meinem Herzen. Aber zu wissen, dass es geliebt, umsorgt und glücklich sein wird, macht den Abschied leichter.
