Die verschiedenen Typen von Kaufinteressenten – eine satirische Feldstudie aus dem Züchteralltag 🐾

Wer Katzen züchtet, lernt schnell: Die Kitten sind meistens unkompliziert. Die Menschen hingegen sorgen für die wirklich spannenden Geschichten.


Da wäre zunächst die berühmte „Katze muss mich auswählen“-Interessentin.

Sie fährt drei Stunden durch halb Deutschland, setzt sich ins Wohnzimmer und wartet auf das magische Zeichen des Universums.

Sie kommt nicht, um eine Katze zu kaufen. Sie kommt für ein spirituelles Ereignis.

Während die Kitten fressen, schlafen, spielen oder versuchen, den eigenen Schwanz zu töten, sitzt sie regungslos auf dem Sofa und wartet auf ein Zeichen des Universums.

Nach zwei Stunden verkündet sie:  „Es hat einfach nicht gefunkt.“


Der Schnäppchenjäger darf natürlich nicht fehlen.

Er findet die Katze wunderschön. Die Aufzucht fantastisch. Die Untersuchungen beeindruckend.

Aber:

„Was ist letzter Preis?“

Wenn man erklärt, dass ein Kitten kein gebrauchter Rasenmäher ist, folgt meist:

„Aber mein Nachbar kennt jemanden, dessen Cousin genau solche Katze für 50 Euro bekommen hat.


Der Preisverhandler des Todes

Dieser Mensch würde sogar auf dem Flohmarkt den Preis eines Gratisartikels verhandeln.

„Was kostet das Kitten?“ „1300 Euro.“

„Und letzter Preis?“ „1300 Euro.“

„Aber wenn ich es heute hole?“„1300 Euro.“

„Und wenn ich bar zahle?“„1300 Euro.“

„Und wenn ich Ihnen entgegenkomme?“

Dieter.

Du kommst nicht entgegen. Du kommst eine Katze kaufen.


Der Hypochonder-Profi

Diese seltene Unterart erkennt Krankheiten, die noch gar nicht erfunden wurden.

„Das linke Ohr wirkt anders als das rechte.“

„Ja. Das sind Ohren.“

„Aber warum schaut es so?“

„Weil es eine Katze ist.“

„Sicher?“

Nein.


Dann gibt es den Spontanurlauber.

„Wir möchten unbedingt ein Kitten!“

Drei Tage später:

„Wir sind übrigens die nächsten sechs Wochen auf Bali.“

Vier Tage danach:

„Können Sie es so lange kostenlos behalten? Es wäre auch sehr nett ihrerseits, wenn Sie das Kätzchen dann zu uns bringen könnten „ 


Sehr häufig anzutreffen ist die Prinzessin-auf-der-Erbse-Interessentin.

Das Kitten ist perfekt.

Aber:

● Die Nase könnte etwas dunkler sein.

● Die Augen etwas blauer.

● Die Ohren etwas kleiner.

● Der Schwanz etwas länger.

● Der Charakter etwas verschmuster, aber gleichzeitig unabhängiger 

● Die Farbe etwas heller, aber nur an Ohrenspitzen, der Rest etwas dunkler 

Im Grunde sucht sie keine Katze, sondern einen individuell konfigurierbaren Neuwagen.


Der „Ich habe ChatGPT gefragt“-Interessent

Diese Spezies ist noch relativ neu, breitet sich aber rasant aus.

Noch bevor der erste Kontakt mit dem Züchter stattfindet, wurden bereits 47 Fragen an ChatGPT gestellt.

„Welche Katzenrasse passt zu mir?“

„Wie erkenne ich einen guten Züchter?“

„Wie erkenne ich einen schlechten Züchter?“

„Ist es normal, dass Katzen Katzen sind?“

Beim Besuch sitzt der Interessent dann mit einem Ausdruck von zwölf Seiten da.

„Laut ChatGPT sollte ich fragen, welches Futter die Urgroßmutter mütterlicherseits bevorzugt hat.“

Der Züchter nickt langsam und überlegt, ob er heimlich gefilmt wird.

Besonders spannend wird es, wenn ChatGPT und Google gemeinsam arbeiten.

„ChatGPT sagt A.“

„Google sagt B.“

„Facebook sagt C.“

„Meine Nachbarin sagt D.“

„Was sagen Sie?“


Eine eigene Kategorie bildet der Spirituelle Käufer.

Er betritt das Haus und prüft zunächst die Energien. „Die Aura im Flur ist sehr intensiv.“ „Der Kater hat eine alte Seele.“„Die Katze kommuniziert telepathisch mit mir.“

Das Kitten versucht währenddessen, einen Schnürsenkel zu fressen.


Dann gibt es den „Wir überlegen noch“-Interessenten.

Er meldet sich täglich.Fragt nach Fotos. Nach Videos. Nach neuen Fotos. Nach neuen Videos. Vier Wochen lang.

Dann schreibt er:

„Wir haben uns doch für einen Hamster entschieden.“


Der „Das wird schon klappen“-Interessent

„Unsere 18-jährige Katze hasst andere Katzen.“

„Unser Hund hasst Katzen.“

„Mein Mann hasst Katzen.“

„Die Kinder sind etwas wild.“

„Und wir sind tagsüber nie zuhause.“

Kurze Pause.

„Aber das wird schon klappen, oder?“

Der Züchter starrt gedankenverloren ins Leere und überlegt, ob Alpakas vielleicht das entspanntere Hobby wären.




Gefürchtet ist auch der Instagram-Käufer.

Sein Hauptinteresse gilt nicht der Katze, sondern dem Content.

Noch bevor das Kitten eingezogen ist, existieren bereits:

● ein Instagram-Account,

● ein TikTok-Kanal,

● ein Logo,

● eine Hashtag-Strategie,

● und ein Redaktionsplan.

Die Katze selbst hat als größte berufliche Leistung bisher erreicht, rückwärts in den Futternapf zu fallen.


Besonders faszinierend ist der „Das wird schon klappen“-Käufer.

„Unsere 20-jährige Katze hasst andere Katzen.“

„Unsere Bulldogge jagt alles, was sich bewegt.“

„Unsere Kinder sind etwas wild.“

„Aber das wird schon klappen.“

Die Zuversicht dieses Menschen könnte ganze Nationen versorgen.


Der Unsichtbare

„Hallo, ist das Kitten noch frei?“Dann Funkstille. Drei Monate später, „Entschuldigung, hatte viel zu tun.“

Weitere zwei Monate später:

„Wie groß ist es inzwischen?“

Jürgen.

Das Kitten zahlt mittlerweile Steuern.



Und schließlich gibt es noch den absoluten Endgegner jeder Zucht:

Den Perfekten Interessenten. Er ist freundlich. Er informiert sich. Er versteht Katzen.Er bietet ein wunderbares Zuhause.Er ist höflich, zuverlässig und sympathisch.

Der Züchter ist begeistert. Endlich.Die perfekte Familie.Dann kommt die Nachricht:

„Wir haben uns jetzt doch einen Thermomix


 Der wirklich perfekte Interessent

Und dann passiert etwas, womit nach Jahren in der Katzenzucht kaum noch jemand rechnet.Es meldet sich ein Interessent.Er ist freundlich.Er ist normal.Verdächtig normal.Er stellt sinnvolle Fragen. Er hört zu.Er versteht die Antworten. Er diskutiert nicht mit Google. Er verhandelt nicht. Er fragt nicht nach dem letzten Preis. Er möchte keine Aura-Messung durchführen.

Der Züchter wird misstrauisch.

Wo ist der Haken?

Nach dem Besuch schreibt der Interessent: „Vielen Dank. Wir würden das Kitten gerne reservieren.“ Keine Diskussion. Keine Dramen. Keine Verschwörungstheorien. Keine spontane Auswanderung nach Bali. Der Vertrag wird unterschrieben.

Die Anzahlung wird überwiesen.

Pünktlich.

Als das Kitten auszieht, ist alles vorbereitet. Kratzbaum vorhanden.  Katzenklo vorhanden. Futter vorhanden.Transportbox vorhanden.

Sogar mehr Spielzeug als das Kitten in seinem ganzen Leben zerstören kann.

Ein paar Wochen später kommen Fotos.

Das Kitten liegt glücklich auf dem Sofa.

Der Züchter sitzt lächelnd vor dem Handy und denkt:

„Endlich. Genau dafür macht man das alles.“

Und für einen kurzen Moment glaubt er tatsächlich wieder an die Menschheit :)))))



Und während all diese Menschen diskutieren, recherchieren, verhandeln, analysieren, Energien spüren und Google befragen, sitzen die Katzen entspannt auf dem Kratzbaum und denken sich:

„Diese Spezies hat es irgendwie bis an die Spitze der Nahrungskette geschafft. Beeindruckend.“