🐾 Die verschiedenen Züchtertypen – eine satirische Feldstudie 🐾


Wer länger als fünf Minuten in der Katzenzucht unterwegs ist, stellt fest: Es gibt nicht nur verschiedene Katzenrassen, sondern auch verschiedene Züchterrassen. Manche sind selten, manche weit verbreitet und manche sollten eigentlich unter Artenschutz gestellt werden.


Da wäre zunächst der FBI-Agent-Züchter. Er weiß alles. Wer vor sechs Jahren welches Kitten gekauft hat, wer mit wem zerstritten ist, welche Katze einmal genießt hat und welcher Züchter angeblich um 22:47 Uhr online war, obwohl er behauptet hatte, schon zu schlafen. Seine Quellen sind streng geheim, seine Informationen hochbrisant und seine Beweise bestehen meistens aus Screenshots, die bereits durch mehr WhatsApp-Gruppen gewandert sind als ein Wanderpokal.


Direkt verwandt mit ihm ist der Privatdetektiv-Züchter. Während normale Menschen Interessenten kennenlernen möchten, eröffnet er zunächst eine Ermittlungsakte. Noch bevor das erste Telefonat stattfindet, hat er Facebook, Instagram, Kleinanzeigen, Google Maps und vermutlich die Satellitenbilder der NASA ausgewertet. Wenn man ihm seine Adresse nennt, antwortet er mit: „Ja, ich weiß.“ Wenn man seinen Namen nennt, antwortet er: „Den kenne ich auch.“


Dann gibt es den „Alle anderen sind verseucht“-Züchter. Seine eigene Zucht ist die letzte gesunde Insel Europas. Alle anderen Zuchten sind voller Flöhe, Milben, Würmer, Viren, Pilze und vermutlich auch außerirdischer Lebensformen. Er hat die betreffenden Katzen nie gesehen, weiß aber trotzdem ganz genau Bescheid. Sein Lieblingssatz lautet: „Da würde ich niemals ein Kitten kaufen.“


Der Business-Züchter sieht die Sache etwas nüchterner. Wenn andere Züchter Kittenfotos posten, erstellt er Umsatzprognosen. Sein Taschenrechner kennt mehr Streicheleinheiten als seine Katzen.


Der „Keine Ahnung welche Farbe“-Züchter lebt hingegen jeden Tag ein neues Abenteuer. Mit vier Wochen ist das Kitten Seal. Mit acht Wochen Chocolate. Mit zwölf Wochen Blue. Mit sechzehn Wochen fragt man besser gar nicht mehr nach. Sein Lieblingssatz: „Das entwickelt sich noch.“


Natürlich darf auch der berühmte „Zwei Kitten passen immer“-Züchter nicht fehlen. Egal welche Situation geschildert wird – die Antwort lautet zwei Kitten.

„Ich habe eine 20-jährige blinde Katze mit Demenz.“ – „Perfekt für zwei Kitten!“

„Ich bin 87 und wohne im vierten Stock ohne Aufzug.“ – „Dann erst recht zwei Kitten!“

„Ich wollte eigentlich nur Katzenstreu kaufen.“– „Haben Sie schon über zwei Kitten nachgedacht?“

Man hat manchmal das Gefühl, selbst beim Kauf eines Kühlschranks würde dieser Züchter erklären, warum zwei Kitten die optimale Ergänzung wären.


Besonders häufig trifft man auf den „Ich weiß alles besser“-Züchter. Tierärzte liegen falsch. Wissenschaftler liegen falsch. Genetiker liegen falsch. Verhaltensberater liegen falsch. Die gesamte Fachliteratur liegt falsch. Nur er nicht. Sein Wissen basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung, drei Facebook-Kommentaren und einer Diskussion aus einem Forum von 2008. Sein Lieblingssatz: „Ich züchte schon lange genug, um das zu wissen.“


Eine weitere Unterart ist der Helikopter-Züchter. Das Kitten zieht zwar aus, aber emotional bleibt es sein Eigentum. Für immer.

Spätestens nach zwei Wochen weiß der neue Besitzer nicht mehr, ob er eine Katze gekauft hat oder an einer Langzeitstudie teilnimmt.


Dann gibt es die seltene, aber sehr laute Drama-Queen-Züchterin. Jeder kleine Vorfall wird zu einer mehrteiligen Netflix-Serie.

Ein Interessent antwortet drei Stunden nicht? Katastrophe.

Jemand fragt nach dem Preis? Unverschämtheit.

Ein Kitten niest einmal? Notfall.

Ein Facebook-Kommentar wird falsch verstanden? Staffel 7 beginnt.

Innerhalb von 24 Stunden gibt es mindestens drei emotionale Abschiedsankündigungen von der Zucht – gefolgt von der nächsten Wurfankündigung zwei Tage später.


Sehr beliebt in sozialen Netzwerken ist auch der Facebook-Orakel-Züchter. Tierärzte werden grundsätzlich erst konsultiert, nachdem 143 Menschen in einer Facebook-Gruppe ihre Meinung abgegeben haben.

„Meine Katze humpelt.“

Antworten:

  • Das sind Würmer.
  • Das ist die Schilddrüse.
  • Das ist Vollmond.
  • Das ist Karma.
  • Das ist bestimmt ein Energiestau.

Nach 287 Kommentaren ist niemand schlauer, aber alle sind überzeugt.


Und schließlich der wohl anstrengendste Vertreter überhaupt: der „Alles-ist-ein-Red-Flag“-Züchter.

Der Interessent arbeitet Vollzeit? Red Flag.

Teilzeit? Auch Red Flag.

Keine Kinder? Red Flag.

Kinder? Doppelte Red Flag.

Wohnung? Red Flag.

Haus? Verdächtig.

Zu viele Fragen? Red Flag.

Zu wenige Fragen? Noch größere Red Flag.

Am Ende bleibt nur eine einzige geeignete Familie übrig: der Züchter selbst.


Das Erstaunliche ist, dass sich viele dieser Arten kreuzen können. Dann entsteht der ultimative Superzüchter: ein FBI-Agent mit Privatdetektiv-Ausbildung, der alle anderen Zuchten für verseucht hält, dem Tierarzt die Welt erklärt, Interessenten auf Google Earth überwacht, jedes Problem in drei Akte Drama verwandelt und als Lösung grundsätzlich zwei Kitten empfiehlt :)))))


Die Katzen selbst sitzen währenddessen entspannt auf dem Kratzbaum, putzen sich die Pfote und beobachten das ganze Spektakel mit dem Blick eines Wesens, das längst verstanden hat, dass die Menschen die deutlich seltsamere Spezies sind.