Die Gedanken einer Katze beim Tierarzt

Der Mensch sagt:

“Keine Sorge, wir fahren nur ganz kurz.”

Die Katze hört:

“Heute endet alles.”


Der Transportkorb erscheint.

Interessant.

Vor drei Monaten war dieses Ding noch unsichtbar.

Heute steht es plötzlich mitten im Wohnzimmer.

Zufall?

Ich glaube nicht.


Der Mensch spricht in dieser merkwürdig fröhlichen Stimme:

“Na komm, das wird gar nicht schlimm.”

Das sagt derselbe Mensch übrigens auch vor dem Krallenschneiden.

Vertrauen ist schwierig geworden.


Im Auto.

Der Boden bewegt sich.

Die Welt wackelt.

Der Mensch singt schief im Radio.

Ich beginne, meine Lebensentscheidungen zu hinterfragen.


Ankunft.

Der Geruch…

Hund.

Noch mehr Hund.

Kaninchen.

Ein Papagei.

Desinfektionsmittel.

Und irgendwo sitzt eindeutig jemand, der nicht freiwillig badet.

Ich möchte wieder nach Hause.


Der Mensch lächelt die Tierarzthelferin an.

“Er ist heute ganz entspannt.”

Ich sitze regungslos im Korb.

Nicht aus Entspannung.

Aus Schockstarre.


Die Tür geht auf.

Der Tierarzt begrüßt mich freundlich.

Interessant.

Er kennt meinen Namen.

Ich kenne seinen Beruf.

Wir werden heute keine Freunde.


Ich werde auf den Tisch gesetzt.

Kalt.

Sehr kalt.

Warum besteht jeder Untersuchungstisch aus dem Material einer Tiefkühlpizza?


Der Tierarzt hört mein Herz ab.

Schön.

Jetzt weiß er wenigstens, wie schnell es schlägt.

Spoiler:

Seinetwegen.


Dann kommt das Thermometer.

Über diesen Teil möchte ich nicht sprechen.


Der Mensch sagt:

“Er war die ganze Woche völlig gesund.”

Der Tierarzt nickt.

Ich auch.

Bis eben.


Die Spritze erscheint.

Ich tue so, als hätte ich sie nicht gesehen.

Vielleicht verschwindet sie wieder.

Tut sie nicht.


Fünf Minuten später.

“So, das war’s schon.”

Ach wirklich?

Dann erklären Sie mir bitte, warum ich emotional mindestens drei meiner neun Leben verloren habe.



Die etwas weniger dramatische Wahrheit

So aufregend ein Tierarztbesuch für unsere Katzen auch sein mag – er ist ein wichtiger Bestandteil einer verantwortungsvollen Gesundheitsvorsorge.

Viele Katzen reagieren auf die ungewohnte Umgebung mit Stress. Neue Gerüche, fremde Menschen, andere Tiere und das Verlassen des vertrauten Zuhauses reichen völlig aus, um den Puls deutlich ansteigen zu lassen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Ihre Katze “schwierig” ist. Sie verhält sich einfach ganz katzentypisch.

Ein paar einfache Dinge können helfen:

  • Den Transportkorb dauerhaft in der Wohnung stehen lassen, damit er nicht nur mit dem Tierarzt verbunden wird.
  • Leckerlis oder eine vertraute Decke in den Korb legen.
  • Ruhig bleiben – Katzen reagieren sehr sensibel auf unsere Stimmung.
  • Den Besuch nicht hinauszögern. Vorsorge ist oft deutlich angenehmer als eine spätere Behandlung.

Und falls Ihre Katze Sie nach dem Tierarztbesuch für einige Stunden etwas beleidigt anschaut…

Keine Sorge.

Sie plant höchstwahrscheinlich keine Rache.

Sie überlegt nur, ob sie Ihnen jemals wieder vertraut.

Spoiler:

Spätestens beim Abendessen stehen die Chancen wieder ganz gut. 🐾